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Team Grenzenlos paddelt über Oppenheim hinaus
Eine Fahrt nach Trier stärkt das inklusive Angebot des Kanu-Clubs Oppenheim
OPPENHEIM: Wie ist eigentlich der Sommer für das inklusive Team Grenzenlos des Kanu-Clubs Oppenheim verlaufen? "Wir haben einen tollen Sommer verlebt", sagt Teamleiter Uwe Trump. "Die Teilnehmer haben sich ständig weiterentwickelt. Unter anderem haben wir im Freibad Gimbsheim und am Pfarrwiesensee das Kentern geübt." Außerdem habe ein Teilnehmer mit seiner Mutter an der Familienfreizeit teilgenommen. Warum ist das wichtig?
Das Team Grenzenlos ist eine inklusive Kanugruppe. Wenn ein Teilnehmer nicht nur am Sonderangebot des Teams Grenzenlos teilnimmt, sondern an einem regulären Vereinsangebot, dann ist das ein starkes Beispiel für gelungene Inklusion. Einen weiteren Hinweis darauf, wie weit die Gruppe inzwischen gekommen ist, gab Mitte September eine Stippvisite in Trier. Dort ging es für die Oppenheimer auf ein fremdes Gewässer, was allein ein mutiger Schritt war. Zudem lernten sie andere Kanuten, für die Inklusion ebenso zum Sport gehört, kennen.
Neue Teilnehmer dazugestoßen
Noch vor gut einem Jahr wollte Uwe Trump, der das Team Grenzenlos verantwortlich begleitet, über das Oppenheimer Projekt kaum sprechen. Erst sollten, wie er damals sagte, "Nägel mit Köpfen" gemacht werden. Trainer und Helfer mussten gefunden, Qualifikationen erworben und Sicherheitsstrukturen geschaffen werden. Trump selbst bildete sich unter anderem zum Reha-Übungsleiter für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung fort.
Weitere Vereinsmitglieder wurden zu Rettungsschwimmern ausgebildet. Zur ersten Gruppe gehörten fünf Teilnehmer mit geistiger Beeinträchtigung und zwei mit Lernbeeinträchtigung. Hinzu kamen Kinder und Jugendliche, die aufgrund familiärer oder sozialer Umstände besondere Unterstützung brauchten.
Das Team ist inzwischen aber gewachsen. "Wir haben mittlerweile drei neue Teilnehmer. Das ist bei dem Aufwand, den auch die persönlichen Betreuer leisten müssen, enorm", betont Trump. Da die Teilnehmer so viel Spaß bei der Sache haben, gründeten sie eine Fahrgemeinschaft, um möglichst wenige Tage zu verpassen.
Sieben Kilometer auf fremdem Wasser
Wie sich die Arbeit auszahlt, zeigte sich beim Ausflug nach Trier. Die Trierer Kanu-Fahrer hatten im Rahmen der Special Olympics Rheinland-Pfalz inklusive Kanuvereine aus dem ganzen Land zu einem gemeinsamen Paddeltreffen eingeladen. Insgesamt gingen 25 Teilnehmer in 18 Booten aufs Wasser, darunter 15 Special-Olympics-Sportler. Sieben Kilometer paddelte die Gruppe flussaufwärts. Danach stand noch ein kleiner Wettkampf auf dem Programm. Was während der Saison in Oppenheim trainiert wurde, musste nun auf fremdem Gewässer funktionieren. Für das rheinhessische Team war die Fahrt einerseits ein geselliger Vereinsausflug, anderseits ein Test des Gelernten: Balance halten, das Boot steuern, auf Wind und Strömung reagieren und dabei die eigene Kraft einteilen.
Trump nennt als Beispiel die Leistung eines Teilnehmers: "Julian ist diese Distanz zum ersten Mal gefahren und es war für ihn eine große Leistung." Die anderen Teilnehmer wurden im Zweier mitgenommen. Die Oppenheimer trafen in Trier Mitstreiter aus anderen Landesteilen, die unter ähnlichen Voraussetzungen paddeln. "In Rheinland-Pfalz arbeiten mehrere Vereine verbandsübergreifend daran, uns sichtbar zu machen", freut sich Trump.
Das Lächeln als Gradmesser
Trump hatte den Erfolg des Teams Grenzenlos bereits zu Beginn des Projekts weniger an sportlichen Leistungen als am "Lächeln" der Teilnehmer festgemacht. Schon der Schritt ins Boot könne ein Erfolg sein. Nach einer kompletten Sommersaison lässt sich nun genauer bilanzieren, was aus diesen ersten Schritten geworden ist. "Besonders spannend ist auch, dass von unseren Teilnehmern überhaupt noch keiner gekentert ist und jeder mittlerweile alleine im Boot fahren kann."
Dabei hatte das Team schon den vergangenen Winter genutzt. Weil reguläres Training auf dem Rhein nicht möglich war, wurden an Land das Einsteigen, Bewegungsabläufe und der Umgang mit dem Material geübt. Die Gruppe blieb zusammen und bekam nach Trumps Angaben sogar Zuwachs.
Nach dem Sommer ist vor dem Winter
An diesem Prinzip soll sich auch in den kommenden Monaten wenig ändern. Entscheidend ist für Trump seit Beginn, dass das Team nicht nur während der Paddelsaison funktioniert. "Wir gehen in den Multifunktionsraum. Unser Seminarraum ist mittlerweile eine kleine Sporthalle geworden. Wir sind das ganze Jahr dabei." Inklusion brauche Kontinuität und Menschen, die regelmäßig begleiten.
Der Kanu-Club bringt dafür mit rund 400 Mitgliedern, einer starken Jugendarbeit und Kooperationen mit Schulen gute Voraussetzungen mit. Das Team Grenzenlos ist inzwischen ein Teil dieser Vereinsarbeit geworden. Die Fahrt nach Trier zeigt zugleich, dass der Blick über Oppenheim hinausgeht. "Wir nehmen auf jeden Fall am Inklusionspaddeln 4.0 in Sinzig teil. Alles andere wird sich zeigen."
Als Trump das Projekt aufbaute, formulierte er seinen Anspruch einmal so: "Inklusion heißt ja, Menschen, die sich seitlich der Gesellschaft befinden, mitzunehmen." Nach dem ersten Sommer auf dem Wasser lässt sich dieser Satz um konkrete Erfahrung ergänzen. Trump formuliert es so: "Wir haben eins geschafft: Die Gruppe ist fester Bestandteil des Vereins geworden. Wir sind in Rhein-Selz inzwischen bekannt und im Netzwerk der bundesweiten Inklusion ein Vorzeigeprojekt."
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