Nächste Termine in Rhein-Selz
Tag des offenen Denkmals 2026 in Rhein-Selz
Wenn ich durch Oppenheim laufe, bleibt mein Blick fast immer irgendwann an der Katharinenkirche hängen. Am roten Sandstein, an den feinen Fenstern. Und manchmal denke ich an die Steinmetze, die diese Steine im Mittelalter behauen haben. Wie sah ihr Alltag auf der Baustelle aus? Und wer hat abends zu Hause auf sie gewartet?
Am Sonntag, 13. September, bekommst Du darauf ein paar Antworten. Beim Tag des offenen Denkmals 2026 öffnen in Rhein-Selz gleich mehrere historische Gebäude ihre Türen: in Oppenheim, Dexheim, Hahnheim und Köngernheim.
Ein Sonntag für alte Mauern
Den Tag des offenen Denkmals gibt es seit 1993, und er findet immer am zweiten Sonntag im September statt. Koordiniert wird er von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die ihn in diesem Jahr gemeinsam mit der Stadt Bamberg eröffnet. Tausende Bauwerke in ganz Deutschland machen mit, mehrere Millionen Menschen sind jedes Jahr unterwegs. Damit ist es das größte Kulturevent Deutschlands.
Das Motto 2026 heißt „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur". Klingt erst mal technisch. Je länger ich darüber nachdenke, desto besser passt es aber zu dem, was bei uns geboten wird. Hinter jedem dieser Gebäude stecken nämlich viele Hände.
Oppenheim: Die Frauen der Steinmetze erzählen
In Oppenheim gibt es um 12 und um 15 Uhr zwei kostenlose Kirchenführungen in historischen Kostümen. Den Blickwinkel finde ich richtig schön: Es erzählen die Frauen zweier Steinmetze. Sie berichten vom Alltag ihrer Männer auf der Baustelle der Katharinenkirche im späten Mittelalter.
Dabei geht es um Fragen, über die man vor der fertigen Kirche selten nachdenkt. Welche Gewerke waren nötig, damit so ein Bau überhaupt entstehen konnte? Wie hat die Zusammenarbeit geklappt? Und was war eigentlich eine „Bauhütte", was ein „Baumeister"? Da ist es wieder, das Netzwerk.
Begonnen wurde die Katharinenkirche mit einer Stadterweiterung ab 1226, gebaut hat man an ihr über mehrere Epochen. Georg Dehio, einer der Gründerväter der deutschen Denkmalpflege, nannte sie den bedeutendsten Kirchenbau am Rhein zwischen Straßburg und Köln.
Treffpunkt für beide Führungen ist das Katharinenlädchen.
Dexheim öffnet gleich vier Denkmäler
In Dexheim haben engagierte Bürgerinnen und Bürger einen ganzen Tag vorbereitet. Offen sind die Martinskirche, das alte Backhaus, das ehemalige Schloss und die alte Trauerhalle.
Die Evangelische Martinskirche wurde 889 zum ersten Mal erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde sie fast vollständig zerstört; nur der mittelalterliche Turm blieb stehen. Achte dort mal auf die alten Malereien im Inneren. Der heutige Kirchenraum stammt von 1757, und dank der Spendenaktion „Gemeinsam zum Dach" hat die Kirche seit der Sanierung ab 2020 ein neues Dach. Um 11 Uhr beginnt der Tag mit einem Gottesdienst, ab 12 Uhr gibt es eine Führung.
Das Backhaus von 1656 ist eine echte Rarität, denn nur wenige historische Backhäuser dieser Art sind erhalten. 1982 bekam die Gemeinde es geschenkt. Die alte Backstube wurde wieder hergerichtet, und heute ist das Haus mit seinem Gemeinderaum ein Treffpunkt für Vereine und Dorfleben. Am Denkmaltag ist es vom späten Vormittag bis zum Abend geöffnet.
Vom Dexheimer Schloss blieben nach der Sprengung 1689 durch die Truppen des französischen Generals Mélac nur ein Turmstumpf und das Schlosstor übrig. Das finde ich besonders spannend: Die Dexheimer haben die Steine der Ruinen, sogenannte Spolien, für den Wiederaufbau ihres Dorfes verwendet. Ein Stück Schloss steckt also bis heute im Ort. Im Schlosstorhaus gibt es seit 2016 ein kleines Heimatmuseum, am Sonntag mit zwei Ausstellungen. Zu den besonderen Stücken gehört ein rund 23,5 Millionen Jahre alter Fossilfund aus der Dexheimer Gemarkung, benannt nach Arnulf Stapf, dem Gründer des Paläontologischen Museums Nierstein.
Die alte Trauerhalle am Friedhofseingang wurde nach Erinnerung von Zeitzeugen 1927 gebaut und steht zwischen zwei rund 200 Jahre alten Linden. Nach der Sanierung ist sie heute ein „Raum der Stille". Aus dem Holz des alten Dachstuhls sind ein Gedenkaltar und ein Holzkreuz entstanden.
Und zwischendurch? Im Rathausgarten, dem wiederbelebten alten Schulgarten, gibt es den ganzen Tag Getränke und Gegrilltes.
Alles Weitere zu Dexheim findest Du ausführlich hier:
Tag des offenen Denkmals in Dexheim
Im Selztal: Hahnheim und Köngernheim
Das Hahnheimer Schlößchen öffnet am Vormittag, von 10 bis 13 Uhr. Seine Geschichte beginnt um 1550, als Albrecht von Dienheim das Dorf Hahnheim erwarb. Sein Sohn Johann Heinrich ließ den Adelssitz auf den Fundamenten eines älteren Baus errichten. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Haus schwer beschädigt. 1963 kaufte es der Kirchenrestaurator Bernhard Sucker und begann, es im Stil der Renaissance des 16. Jahrhunderts zu restaurieren. Um 10:30 und um 12 Uhr gibt es Führungen in den Gewölbekeller und einen Vortrag zur Geschichte des Anwesens. Dazu Kaffee, Kuchen und Wein.
Gleich nebenan ist die Evangelische Kirche in Köngernheim geöffnet. Eine Kirche wird hier 1299 zum ersten Mal erwähnt, die Sandsteinwände des Portals und ein gotisches Fenster stammen noch aus dem 14. Jahrhundert. Ein Detail, das ich spannend finde: Bis 1932 war sie eine Simultankirche, evangelische und katholische Gläubige teilten sich also das Gotteshaus.
Alle Termine auf einen Blick
Oppenheim, Katharinenkirche Kostümführungen um 12 und um 15 Uhr, kostenlos Treffpunkt: Katharinenlädchen
Dexheim Evangelische Martinskirche: Gottesdienst um 11 Uhr, Führung ab 12 Uhr Altes Backhaus: vom späten Vormittag bis zum Abend geöffnet Schlosstorhaus mit Heimatmuseum: zwei Ausstellungen [Uhrzeit ergänzen] Raum der Stille in der alten Trauerhalle am Friedhof [Uhrzeit ergänzen] Rathausgarten: Getränke und Gegrilltes, geöffnet von 9 bis 18 Uhr
Mehr Infos: https://rhein-selz-geht-aus.de/de/tag-des-offenen-denkmals-in-dexheim.html
Hahnheim, Hahnheimer Schlößchen Schloßgasse 1, 55278 Hahnheim Geöffnet von 10 bis 13 Uhr, Führungen und Vortrag um 10:30 und um 12 Uhr Kaffee, Kuchen und Wein Mehr Infos: https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/denkmal/cljzc91490008jm0fww90z4wn
Köngernheim, Evangelische Kirche
Das bundesweite Programm findest Du unter www.tag-des-offenen-denkmals.de
Ein Krieg, viele Geschichten
Beim Zusammentragen ist mir etwas aufgefallen: Ein Ereignis taucht in fast allen Geschichten auf. 1689 brannte Oppenheim mitsamt der Katharinenkirche, im selben Jahr wurde das Dexheimer Schloss gesprengt, und auch das Hahnheimer Schlößchen wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg schwer beschädigt. Was Du am Sonntag siehst, ist also auch eine Geschichte vom Wiederaufbauen.
Wenn Du Lust auf eine kleine Runde hast: Starte um 10:30 Uhr in Hahnheim, fahr danach nach Dexheim zu Backhaus und Rathausgarten und sei um 15 Uhr am Katharinenlädchen in Oppenheim. Je nach Öffnungszeiten passt Köngernheim auch noch dazwischen. Und wer danach noch nicht nach Hause will: Die Street Food-Meile in Oppenheim läuft am Sonntag bis 18 Uhr.
Erzählt mir gern hinterher, welches Denkmal Euch am meisten überrascht hat.
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