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"Seelsorger, Netzwerker und Beziehungsstifter": Nierstein trauert
Abschied von Pfarrer Michael Graebsch
Es gibt in Nierstein diesen kleinen Bibelgarten, direkt an der alten Wehrmauer neben der Martinskirche. Ein paar Bänke in den Nischen, biblische Pflanzen, sonst nichts Spektakuläres. Ein Ort, an dem man sitzen bleiben kann, ohne dass jemand etwas von einem will.
Solche Orte hat Michael Graebsch möglich gemacht. Jetzt ist er gestorben, mit 61 Jahren, nach kurzer, schwerer Krankheit und im Kreis seiner Familie. Nur wenige Tage nach seinem Geburtstag.
Der Pfarrer, den man immer ansprechen konnte
Wer in Nierstein oder Oppenheim unterwegs war, ist ihm vermutlich irgendwann begegnet. Bei der Tafel in Oppenheim, deren Vorsitzender er war. Bei den Lichtorten in der Martinskirche. Bei einem Gottesdienst, der anders ablief als erwartet, weil er gern neue Formen ausprobiert hat. Oder bei der Orgel, für deren Renovierung er sich starkgemacht hat.
Dekan Olliver Zobel, sein Nachfolger im Amt, nennt ihn „Seelsorger, Netzwerker und Beziehungsstifter". Ich finde, das trifft es ziemlich genau. Michael Graebsch war jemand, der Menschen zusammengebracht hat, ohne dass es nach Organisation aussah.
Sabine Bachmann-Pilz, Vorsitzende des Kirchenvorstands der Gesamtkirchengemeinde Rheintalhöhen, sagt, es sei seine große Stärke gewesen, die kleinen wertvollen Momente im Alltag zu sehen und sichtbar zu machen. Auch das passt zu allem, was ich über ihn gehört habe: Spontanität, Optimismus, und eine große Offenheit für Ideen, die andere erst mal für zu kompliziert gehalten hätten.
Ein langer Weg durch die Region
Michael Graebsch war seit 2010 Gemeindepfarrer in Nierstein. Davor arbeitete er viele Jahre in den Kirchengemeinden Dolgesheim und Weinolsheim. Von 2001 bis 2019 war er außerdem mit einem halben Dienstauftrag Dekan des früheren Evangelischen Dekanats Oppenheim; eine Doppelrolle, die viel Kraft kostet und die er lange getragen hat.
Als das Dekanat 2019 mit Ingelheim fusionierte, führte er seinen Dienst in Nierstein mit voller Stelle weiter und begleitete die Gemeinde in die Gesamtkirchengemeinde Rheintalhöhen, die 2025 entstanden ist. Zusammengerechnet sind das mehr als zwei Jahrzehnte, in denen er das kirchliche Leben zwischen Rhein und Selz mitgeprägt hat. Bibelgarten, Kirchenmusik, die Zusammenarbeit mit dem CVJM Nierstein: vieles davon trägt seine Handschrift.
Der Trauergottesdienst
Die Gemeinde verabschiedet sich gemeinsam mit seiner Familie:
Wann: Mittwoch, 26. August 2026, 15 Uhr
Wo: Martinskirche Nierstein, Tempelhof, 55283 Nierstein
Was: Gottesdienst mit Abendmahl
Kontakt: Evangelische Kirchengemeinde Nierstein, Mühlgasse 28, Telefon 06133 5687
Ein Gottesdienst mit Abendmahl, also mit dem Teil, in dem alle nach vorne kommen und nebeneinanderstehen. Für jemanden, dem die Beziehung zu Gott und zu den Menschen so wichtig war, ist das ein stimmiger letzter Weg.
Was bleibt
Ich schreibe hier sonst über Feste, Wanderwege und Weinstände, über die schönen Seiten dieser Region. Aber eine Region besteht nicht nur aus Terminen. Sie besteht aus Menschen, die dafür sorgen, dass es diese Termine überhaupt gibt, und die daneben noch bei der Tafel Kisten schleppen und zuhören, wenn es jemandem schlecht geht.
Michael Graebsch war so einer. Viele hier werden in diesen Tagen an ihn denken; an ein Gespräch, an einen Gottesdienst, an eine Situation, in der er einfach da war. Vieles von dem, was er angestoßen hat, bleibt bestehen. Und die Bänke im Kirchgarten stehen weiter da, für alle, die sich setzen möchten.
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