Nächste Termine in Rhein-Selz
Wandern und radeln in Rhein-Selz
Von Klezmer bis Gänsehaut: vielfältiges Kulturprogramm in Guntersblum
Es gibt diese Abende, an denen man in einen kühlen Gewölbekeller hinabsteigt, sich auf einen Stuhl in der dritten Reihe setzt und schon nach den ersten Takten weiß: Hierher komme ich wieder. In Guntersblum passiert das ziemlich oft. Der Verein zur Erhaltung Guntersblumer Kulturgutes hat jetzt sein Programm für das zweite Halbjahr 2026 vorgelegt, und ich habe beim Durchlesen mehrfach zum Kalender gegriffen. Klezmer, Jazz, Mundart, Kabarett, Nachtgeschichten und Harfenmusik; das ist selbst für hiesige Verhältnisse ein ordentlicher Bogen.
Der September macht den Anfang
Los geht es am Freitag, 4. September, um 20 Uhr mit dem Duo Adafina im Kleinkunstkeller. Almut Schwab und Jan Köhler bringen ihr neues Programm „shtrudel" mit, und schon der Name verrät, dass hier einiges zusammenkommt: Klezmer trifft auf Tango, Latin und eigene Stücke. Diese Mischung klingt auf dem Papier wild und funktioniert live meistens genau deshalb so gut.
Zwei Tage später wird es historisch. Am Sonntag, 6. September, öffnet das Museum im Kellerweg die Ausstellung „Aus dem Schatten ins Licht. Starke Frauen aus 1000 Jahren Pfälzer Geschichte". Frauenbiografien aus tausend Jahren, gesammelt und erzählt; das finde ich besonders schön, weil genau diese Lebensläufe in den alten Chroniken sonst gern hinten runterfallen. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 1. November, immer sonntags von 14 bis 17 Uhr.
Dann wird wieder gespielt: Am Freitag, 18. September, um 20 Uhr kommt das Bastian Weinig Standards Trio mit „All About That Double Bass". Jazzstandards, mit dem Kontrabass im Mittelpunkt statt am Rand.
Am Sonntag, 20. September, um 17 Uhr wird es dann sprachlich. Dr. Rudolf Post erklärt, wie vielfältig der Dialekt im Städtedreieck Bingen, Mainz und Worms tatsächlich ist. Wer schon einmal gemerkt hat, dass in Guntersblum anders geredet wird als in Nierstein, bekommt hier die Erklärung dazu. Eine Woche darauf, am Sonntag, 27. September, um 17 Uhr, geht es um eine größere Frage: Prof. Dr. Hanno Beck spricht über die Erkenntnisse der modernen Glücksforschung, fundiert und mit Humor.
Oktober zwischen Ladekabel und Bluegrass
Der Oktober beginnt zum Lachen. Am Freitag, 9. Oktober, um 20 Uhr steht der Kabarettist Konstantin Schmidt im Museumskeller mit „Liebe, Luft und Ladekabel. Ohne is' doof" auf der Bühne. Schon der Titel sagt eigentlich alles über den Zustand moderner Beziehungen.
Am Freitag, 30. Oktober, um 20 Uhr folgt der Abend, auf den ich mich persönlich am meisten freue: Im Rahmen des „Country and Folk Festivals 2026" spielt die vierköpfige TeXas House Band. Cajun, Blues und Bluegrass, dazu kernige Countryklassiker, Westernswing, gefühlvolle Balladen und eigene Songs von Songwriter Helt Oncale. Country in einem rheinhessischen Gewölbekeller: Das klingt nach einem seltsamen Paar und ist genau deshalb einen Abend wert.
Wenn die Abende dunkel werden
Zum Jahresende wird es leiser und ein bisschen unheimlich. Am Freitag, 20. November, um 20 Uhr liest Markus Veith seine rabenschwarzen Nachtgeschichten. Genau die richtige Jahreszeit dafür, wenn draußen um fünf schon die Straßenlaternen angehen.
Versöhnlicher wird es am Freitag, 4. Dezember, um 20 Uhr. Nadja Birkenstock kommt mit „A Light So Bright" und weihnachtlicher Harfenmusik, und danach übernimmt die traditionelle Weihnachtsausstellung, die das Kulturjahr des Vereins beschließt.
Alle Termine auf einen Blick
- Fr, 4. September, 20 Uhr: Duo Adafina, „shtrudel" (Klezmer, Tango, Latin)
- So, 6. September bis 1. November, sonntags 14 bis 17 Uhr: Ausstellung „Aus dem Schatten ins Licht. Starke Frauen aus 1000 Jahren Pfälzer Geschichte", Museum im Kellerweg
- Fr, 18. September, 20 Uhr: Bastian Weinig Standards Trio, „All About That Double Bass"
- So, 20. September, 17 Uhr: Dr. Rudolf Post über rheinhessische Mundart
- So, 27. September, 17 Uhr: Prof. Dr. Hanno Beck über Glücksforschung
- Fr, 9. Oktober, 20 Uhr: Konstantin Schmidt, „Liebe, Luft und Ladekabel. Ohne is' doof"
- Fr, 30. Oktober, 20 Uhr: TeXas House Band, Country and Folk Festival 2026
- Fr, 20. November, 20 Uhr: Markus Veith, Nachtgeschichten
- Fr, 4. Dezember, 20 Uhr: Nadja Birkenstock, „A Light So Bright"
Ort: Kleinkunstkeller und Museum Guntersblum, Kellerweg, 67583 Guntersblum
Eintritt und Anmeldung: [Preise ergänzen] Alle Infos: www.kulturverein-guntersblum.de
Und jetzt Du
Was mir an diesem Programm gefällt: Es ist von Leuten gemacht, die ehrenamtlich viel Zeit hineinstecken, damit in einem Dorf mit knapp viertausend Einwohnern ein Jazztrio, ein Sprachwissenschaftler und eine Countryband auf derselben Bühne stehen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Such Dir also einen Abend aus, schnapp Dir jemanden und fahr hin. Und wenn Ihr im Keller sitzt und der erste Ton kommt, denkt daran, dass hinter jedem dieser Abende jemand steckt, der ihn ganz nebenbei neben dem eigenen Job organisiert hat.
Welcher Termin steht bei Dir im Kalender? Schreib es mir gern in die Kommentare.
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