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Der Niersteiner Wartturm - Wahrzeichen mit Geschichte und Weitblick

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Wer durch Nierstein spaziert, sieht ihn schon von Weitem: unseren Wartturm, der hoch über der Stadt thront. Er ist der bekannteste der drei Türme in Nierstein und mit seinen 10 Metern Höhe der höchste Aussichtspunkt in den Niersteiner Weinbergen. Ein Besuch lohnt sich wirklich – nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch wegen der spannenden Geschichte, die dieser Ort zu erzählen hat.

Der Wartturm ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Radfreunde, die hier oben eine Pause einlegen. Und nicht nur das: Viele Niersteiner feiern hier gerne Geburtstage oder andere besondere Ereignisse. Bei schönem Wetter reicht der Blick vom Turm bis zum Donnersberg, zur Hessischen Bergstraße, zum Taunus und sogar bis zum Frankfurter Flughafen – eine Aussicht, die wirklich beeindruckt.

Ein Wächter seit über 500 Jahren

Seit 1521 steht der Turm hier oben und hatte damals eine klare Aufgabe: Mit Feuersignalen warnte er die Burg Landskrone in Oppenheim und die Burg in Schwabsburg vor Gefahren. Dafür befand sich auf seiner Spitze ein Blendsteindach mit einem Feuerkorb – ein echtes Kommunikationssystem der damaligen Zeit.

1911 ging der Wartturm in den Besitz der Gemeinde Nierstein über. Drei Jahre später, 1914, wurde die Blendsteinbedachung mit dem Feuerkorb entfernt und stattdessen eine Tür sowie eine Treppe eingebaut, damit man den Turm besteigen kann. Interessantes Detail am Rande: Der ursprüngliche Eingang war das Fenster über der heutigen Tür – man musste also tatsächlich hochklettern.

Im Zweiten Weltkrieg nutzte ihn eine Flak-Einheit als Beobachtungsturm. Später, von etwa 1960 bis 1995, stand oben eine kleine Hütte zur Starenabwehr. Der Turm hat also so einiges mitgemacht. 

Gemeinschaftsprojekt mit Erfolg

Um die Jahrtausendwende war der Zustand des Wahrzeichens allerdings nicht mehr gut: Putz bröckelte ab, ein Riss ging durch das Bauwerk. Da gründeten sich im Jahr 2000 die "Freunde des Wartturms", um das Ganze wieder in Ordnung zu bringen.

2004, anlässlich des Rheinland-Pfalz-Tages in Nierstein-Oppenheim, wurde der Turm mit Unterstützung des Landes, der Denkmalpflege und der Gemeinde umfassend renoviert. Stahlschienen wurden eingezogen, das Außengelände neu gestaltet, Natursteinmauern eingebaut und Mandelbäume gepflanzt. Besonders schön: Die Lichtanlage, die den Turm abends anstrahlt. Und im Frühjahr braucht man übrigens nicht in den Süden zu fliegen – hier oben blühen die Mandelbäume in voller Pracht und verwandeln den Wartturm in einen echten Frühlingsort zum Verlieben.

Ein lebendiger Treffpunkt – besonders am 1. Mai

Was den Wartturm so besonders macht? Es ist dieses Gefühl, wenn man oben ankommt. Der Blick schweift über die Rheinebene, über unsere Weinberge, über die vertrauten Dächer von Nierstein. Plötzlich fühlt sich die Welt gleichzeitig riesig und ganz nah an.

Besonders lebendig wird es hier übrigens bei der alljährlichen Drei-Türme-Wanderung am 1. Mai – dann ist der Wartturm DER Treffpunkt schlechthin, wo man sich bei einem Gläschen trifft und die Aussicht genießt.

Ein alter Vers bringt es ganz gut auf den Punkt: „Wohl ist die Welt so groß und weit und voller Sonnenschein, das Allerschönste Stück davon ist doch die Heimat mein." 

 Also: Wenn ihr mal in der Gegend seid, nehmt den kurzen Aufstieg mit. Der Wartturm ist definitiv einen Besuch wert – für die Geschichte, für die Aussicht und für dieses besondere Gefühl von Heimat und Weite zugleich.

Quelle: „75 Niersteiner Orte, die Geschichte (n) erzählen" von Hans-Peter Hexemer

Der Wartturm in Nierstein

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