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Oppenheim: Streit ums Gutleuthaus, neue barrierefreie Toilette beschlossen

Gutleuthaus

Der Oppenheimer Stadtrat hat im August zwei Vorhaben auf den Weg gebracht: die Umgestaltung der Außenanlage am Gutleuthaus und eine barrierefreie Toilettenanlage im ehemaligen Güterbahnhof. Das eine war unstrittig, das andere nicht.

Streit um die Zukunft am Gutleuthaus

Die Außenanlage des denkmalgeschützten Gutleuthauses soll ökologisch aufgewertet und zugleich stärker als Ort der Begegnung gestaltet werden. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss fasste der Oppenheimer Stadtrat in seiner Sitzung am 26. August 2026. Ohne Widerspruch ging das Vorhaben allerdings nicht durch das Gremium. Gegenstimmen kamen aus der CDU, zudem gab es Enthaltungen.

Knapp 30.000 € sind nach der vorliegenden Planung für die Umgestaltung veranschlagt. Die endgültige Bereitstellung der Mittel soll allerdings erst erfolgen, wenn die Höhe möglicher Fördermittel geklärt ist. Darüber entscheidet der Stadtrat dann im Rahmen eines weiteren Beschlusses zur Auftragsvergabe.

Die Planung geht dabei über zusätzliche Baumpflanzungen hinaus. Vorgesehen ist eine neue Vogelschutzhecke aus 13 verschiedenen heimischen Gehölzarten. Die zentrale Pflanzscheibe soll vergrößert und durch mehrere Hochstämme ergänzt werden. Hinzu kommen neu gestaltete Wegeflächen mit wassergebundener Wegedecke und Natursteinmauern.

Ein Staudenbeet soll zugleich Möglichkeiten zum Betreten und Bespielen für Kinder bieten. Damit soll die Fläche nach Darstellung in der Beschlussvorlage neben der ökologischen Aufwertung auch eine soziale Nutzfunktion erhalten.

Genau über den finanziellen Aufwand und die Prioritäten der Stadt entwickelte sich im Stadtrat eine Diskussion. Patricia Mathäs (CDU) stellte infrage, ob die Stadt für "ein paar Bäume" so viel Geld ausgeben müsse. Sie schlug vor, stattdessen Nachpflanzungen im übrigen Stadtgebiet und auf Spielplätzen vorzunehmen. Auch die Entsiegelung der Festwiese und dortige Nachpflanzungen brachten sie als Alternative ins Gespräch. Aus der CDU kam zudem die Forderung, zunächst das historische Gutleuthaus selbst "auf Vordermann" zu bringen. Susanne Pohl (CDU) regte an, bei der weiteren Gestaltung einen Hinweis auf die Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes nicht zu vergessen.  

Daniela Darmstadt (AL) verwies darauf, dass das historische Gebäude gepflegt werden müsse, setzte bei der Außenanlage aber einen anderen Akzent. Auch aus Sicht des Seniorenbeirats solle der Ort der sozialen Begegnung dienen. Dafür müsse das Gelände gepflegt werden und ausreichend Beschattung bieten.

Der Erste Beigeordnete Stephan Arnold (WfO) verteidigte das Konzept und hob ebenfalls den sozialen Aspekt hervor. "Wir haben Bänke und Tische aufgestellt für Spiele", sagte Arnold. Damit habe die Stadt nicht nur eine Gelegenheit zum Sitzen, sondern auch zum längeren Verweilen geschaffen.

Das Gelände am Gutleuthaus verfügt seit einigen Jahren über eine größere Freifläche, die grundsätzlich auch für Veranstaltungen genutzt werden könnte. Einer intensiveren Nutzung stehen nach Angaben der Stadt allerdings rechtliche Vorgaben entgegen. Finden dort mehr als drei Veranstaltungen im Jahr statt, müssten dauerhaft barrierefreie Toiletten zur Verfügung stehen. Diese Voraussetzung kann derzeit nicht erfüllt werden.

Über die Situation am Gutleuthaus hatte die Stadt bereits bei der jüngsten Bürgerversammlung  im August 2026 informiert. Mit dem Grundsatzbeschluss ist nun der nächste formale Schritt getan. In der Folge sollen Planungsleistungen beauftragt werden. Erst wenn auch die Förderhöhe feststeht, soll über die konkrete Auftragsvergabe und die endgültige Bereitstellung der Mittel entschieden werden.

Das Gutleuthaus in der Wormser Straße in Oppenheim

Barrierefreie Toilette für den Güterbahnhof

Im ehemaligen Güterbahnhof an der Bahnhofstraße 19 soll eine neue barrierefreie Toilettenanlage mit Wickelbereich entstehen. Der Stadtrat hat dafür in seiner Sitzung im August einstimmig einen Grundsatzbeschluss gefasst. Hintergrund sind die touristische Stadtentwicklung und der Wegfall der bisherigen öffentlichen Toilette am Uhrturm.

Für den neuen Sanitärbereich bietet der Güterbahnhof laut der Beschlussvorlage einen entscheidenden Vorteil: Von der Rückseite des Gebäudes in Richtung Bahnsteig kann ein stufenfreier Zugang geschaffen werden. Von der Bahnhofstraße aus soll der Bereich weiterhin über den vorhandenen Treppeneingang erreichbar sein.

Geplant ist mindestens ein barrierefreies WC mit Stützgriffen und entsprechender Ausstattung. Dazu gehören ein geeigneter Waschtisch und passende Armaturen ebenso wie gut erreichbare Bedienelemente, eine ausreichende Beleuchtung und kontrastreiche Kennzeichnungen.

Ergänzt werden soll die Anlage durch einen Wickelbereich. Da es dafür im öffentlichen Bereich keine spezifische gesetzliche Vorgabe gibt, soll sich dessen Ausgestaltung an einer entsprechenden DIN-Vorgabe orientieren.

Die Kosten werden derzeit auf rund 120.000 € zuzüglich Planungskosten geschätzt. Grundlage für diese erste Kalkulation sind die Kosten der barrierefreien Toilettenanlage am Oppenheimer Rathaus.

Mit dem Grundsatzbeschluss ist zunächst die Planung auf den Weg gebracht. Die Verwaltung soll drei Honorarangebote einholen und wurde vom Stadtrat ermächtigt, die Planungsleistungen anschließend an den wirtschaftlichsten Bieter zu vergeben.

Unterstützung für das Vorhaben kam in der Beratung in Form von Wortbeiträgen der Fraktionen SPD, CDU und WfO. Der Grundsatzbeschluss wurde schließlich einstimmig gefasst.

Die Veranstaltungsfrage am Gutleuthaus löst die neue Anlage allerdings nicht. Zwischen beiden Orten liegt gut ein Kilometer.

Gregor Starosczyk-Gerlach

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