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Erfolg mit einem Wermutstropfen
Martin Groth zählt den Hallenbad-Neubau zu den Erfolgen seiner bisherigen Amtszeit – Ausbleibende Förderung verteuert jedoch das Contracting
Martin Groth (FWG) verbuchte den Neubau des Hallenbades in Oppenheim bei seiner Halbzeitbilanz unter der Rubrik Erfolge. Zwei Tage nach der Pressekonferenz (wir berichteten) lud der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Rhein-Selz zum Richtfest am 26. September auf die Baustelle ein: gute Gelegenheit, um auf die Inhalte der Groth'schen Aussagen aus dem Pressegespräch einzugehen. Auf dem Baufeld, auf dem das frühere Oppti-Mare-Hallenbad stand, waren beim Richtfest die Form und das Ausmaß des neuen Bades inzwischen gut erkennbar.
Für Groth ist das Projekt auch deshalb ein Erfolg, weil seine Realisierung zu Beginn seiner Amtszeit keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Ganz ohne Wermutstropfen fällt die Zwischenbilanz allerdings nicht aus: Eine Hoffnung auf finanzielle Förderung des Energiekonzepts hat sich nicht erfüllt. Betroffen ist die Energie- und Dienstleistungsgesellschaft (EDG) aus Nieder-Olm. Die kommunale Gesellschaft, zu deren Gesellschaftern neben anderen Kommunen auch die VG Rhein-Selz gehört, übernimmt als Contracting-Partner die technische Ausstattung und deren Betrieb.
Nach Groths Darstellung hatte die EDG bei dem innovativen Energie- und Technikkonzept mit Fördermitteln gerechnet. Das Unternehmen habe "Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt", um diese zu erhalten. Bislang allerdings erfolglos, und Groth geht nicht mehr davon aus, dass die erhoffte Förderung noch fließen wird.
Für die Verbandsgemeinde bleibt das nicht ohne finanzielle Folgen. Während die VG das Gebäude errichtet und die EDG die Flächen für die technischen Anlagen zur Verfügung stellt, übernimmt der Contracting-Partner die entsprechende Technik, deren Betrieb, Überwachung und Wartung. Dafür zahlt die VG über einen Zeitraum von 20 Jahren eine vertraglich vereinbarte Contracting-Rate. Fördermittel hätten diese Belastung verringert. Dass sie ausbleiben, werde die Rate erhöhen, bestätigte Groth. "Das wird das verteuern. Das ist definitiv so." Wie hoch die zusätzliche Belastung über die Vertragslaufzeit ausfallen wird, bezifferte er bei der Pressekonferenz nicht.
Auf die direkte Frage, ob damit letztlich die Bürger mehr bezahlen müssten, antwortete Groth zunächst mit einem grundsätzlichen Ja. Davon zu unterscheiden sind allerdings die späteren Eintrittspreise des Hallenbades. Über das Nutzungs- und Preiskonzept ist noch nicht abschließend entschieden. Fest steht, dass ein kommunales Hallenbad nach Groths Einschätzung dauerhaft Zuschüsse benötigen wird. Die Belastung werde allerdings deutlich geringer ausfallen als beim Betrieb des früheren Hallenbades, zeigte er sich überzeugt.
Bei der Preisgestaltung plädiert Groth deshalb für einen sozialverträglichen Kurs. Das neue Hallenbad sei kein "Spaßbad" und kein "Wellness-Tempel", sondern ein "Bürger-, Schul-, Lehr- und Vereinsbad". Gerade in einer Region am Rhein müsse es für die Menschen bezahlbar bleiben, schwimmen zu lernen und ihren Sport auszuüben. Über die konkrete Preisgestaltung wird letztlich der VG-Rat zu entscheiden haben.
Einen wesentlichen Anteil an der Wirtschaftlichkeit sprach Groth dem Energie- und Wasserkonzept zu. Demnach soll das neue Bad mehr Energie erzeugen, als es selbst verbraucht, und der Wasserverbrauch gegenüber einem konventionellen Hallenbad erheblich sinken. Zum Konzept gehören unter anderem Photovoltaik, Photothermie und Geothermie. Auch einen Teil des technischen Risikos gibt die VG durch das Contracting ab: Für Betrieb, Wartung und Funktionsfähigkeit der entsprechenden Anlagen ist nach dem Vertragsmodell die EDG zuständig.
Dass auf der Baustelle inzwischen Richtfest gefeiert werden konnte, war nach Groths Darstellung bei seinem Amtsantritt 2022 keineswegs ausgemacht. Kurz nach seinem Amtsantritt habe er nach Gesprächen mit der Finanzabteilung und der Kommunalaufsicht von einem unmittelbaren Start in der damals vorgesehenen Form Abstand genommen. "Die Umsetzung des Hallenbades war damals wirklich auf der Kippe", erinnerte sich Groth.
Als eine richtige Entscheidung bewertet er rückblickend auch den Einsatz eines externen Projektsteuerers, der auf einen Antrag der FDP zurückging. Die VG verfüge zwar über erfahrene Mitarbeiter in ihrer Bauverwaltung, nicht aber über die Spezialkenntnisse von Fachleuten, die bereits zahlreiche Schwimmbadprojekte begleitet hätten. Diese Erfahrung einzukaufen, habe sich aus seiner Sicht "doppelt und dreifach bezahlt gemacht". Bei größeren Bauvorhaben will Groth deshalb künftig erneut auf externe Projektsteuerung setzen.
Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach
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