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Wenn die Orgel atmet: David Briggs am Pfingstmontag in Oppenheim

David Briggs in der Katharinenkirche in Oppenheim

Wenn einer der weltbesten Organisten an einer der weltbesten Orgeln spielt, kann es nur ein fantastischer Abend werden. Das sagte meine Sitznachbarin am Pfingstmontag in der Katharinenkirche in Oppenheim. Und sie hatte recht.

David Briggs aus New York ist kein Unbekannter hier. Immer wieder kehrt er nach Oppenheim zurück, zum Pfingstwochenende, zum Geburtstag der Woehl-Orgel in der Katharinenkirche. Seit 2006 spielen internationale Größen an diesem außergewöhnlichen Instrument – und das Gästebuch liest sich wie ein Who is Who der europäischen Orgelwelt. Briggs selbst hat die Orgel einmal so beschrieben: „So vollendet für das sinfonische Repertoire. Diese Orgel verdient es, weltweit sehr bekannt zu werden." Seit 2017 ist er Artist-in-Residence der Cathedral of St. John the Divine in New York, der größten gotischen Kathedrale der Welt. 

Very British – ein Abend voller englischer Klangpracht

Das Programm am Pfingstmontag war ganz dem englischen Orgelerbe gewidmet. Briggs führte uns durch Jahrhunderte britischer Musik: von Jeremiah Clarkes Trumpet Voluntary, das den Abend wie einen barocken Festsaal öffnete, über die erhabenen Klänge von Sir Charles Hubert Hastings Parry bis hin zu Herbert Howells' dramatischer Rhapsody Nr. 3 in Cis-Moll – komponiert unter dem Eindruck eines Zeppelin-Angriffs im Jahr 1918. Wer das auf einer Orgel dieser Größe erlebt, versteht, warum Musik manchmal mehr sagt als Worte.

Und dann: die Variations on Greensleeves. David Briggs näherte sich dem alten Liebeslied in schillernden Klangfarben – sehnsüchtig, träumerisch, forsch. Die Orgel schien zu atmen. 

Der Hummelflug als Zugabe, - so hatte ich die Orgel noch nie gehört

Als zweite Zugabe spielte Briggs den Hummelflug. Was das bedeutet? Ein Stück, das man normalerweise von Streichern oder Klavier kennt, gespielt auf einer Orgel dieser Güte, von jemandem mit dieser Technik. Stille und dann brach der Applaus los.

Von Herzen: Danke!

Das Konzert war eingebettet in ein Doppelkonzert am Pfingstwochenende, das KulturSINN Rhein-Selz gemeinsam mit der Katharinenkirche Oppenheim organisiert hatte. Ein herzliches Dankeschön gilt auch den Musikverantwortlichen der Evangelischen Kirche Oppenheim und Kantor Ralf Bibiella für ihr Engagement rund um diesen besonderen Abend. Bereits am Pfingstsonntag hatte Briggs in der Martinskirche Nierstein gespielt – ein Programm voller französischer Eleganz und sinfonischer Visionen.

Wer beim nächsten Mal dabei sein möchte: Am 14. Juni ist in der Kilianskirche in Nierstein der nächste Abend mit klassischer Musik. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz kommt mit ihrer Tournee „Musik im Anflug" in die Region – ein Streichsextett spielt Max Regers Lyrisches Andante. Klassik zum Näherkommen, in einem der schönsten Kirchenräume der Region. 

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