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Poetry Slam Oppenheim – Ein Abend, der unter die Haut geht

PoetrySlam 2026 in Oppenheiim

Eine junge Frau steht auf der Bühne. Svea, 17 Jahre alt, aus Mettenheim. Sie spricht über Hexen. Über Frauen, die verfolgt wurden, weil sie anders waren. Der Saal ist still. Ganz still. Und in dieser Stille spürt man, dass dieser Abend etwas Besonderes wird.

So begann der Poetry Slam in Oppenheim am 18. April 2026. 

Wie alles begann

Die Idee, einen Poetry Slam nach Oppenheim zu holen, war schon lange ein Wunsch der Stadt Oppenheim – ein Angebot für ein jüngeres Publikum und alle, die jung geblieben sind, für Menschen, die Sprache lieben und Geschichten suchen. 

Bereits 2019 gab es einen ersten Poetry Slam, damals im Rahmen einer Abschlussarbeit von Kjell Raaz. Er war es auch, der jetzt mit seiner Firma Fullhouse-Eventtechnik in diesem Jahr wieder mit an Bord war und für eine wunderbare Bühne und stimmungsvolles Licht gesorgt hat. Danke, Kjell!

Die Moderation des Abends lag in den Händen von Günther, alias Gusto und man merkte von der ersten Minute an: Hier ist jemand, der das wirklich kann. Souverän, empathisch, mit einer Wärme, die den ganzen Raum erfüllte. 

"Zeitreise" - das war das Thema der ersten Runde

Acht Künstlerinnen und Künstler hatten sich angemeldet. Acht Texte. Acht kleine Zeitreisen. Das Publikum war die Jury – und entschied nach jeder Halbgruppe per Applaus, wer weiterkam.

Den Anfang machte Svea aus Mettenheim – die Jüngste des Abends, gerade mal 17 Jahre alt – mit einem Text über Hexen und Hexenverfolgung. Eine Stimme, so klar und mutig, dass der Saal ganz still wurde. Hannah nahm uns mit auf eine Leiter – eine für alle, keine für sie. Uwe ließ die Mixtape-Generation aufhorchen – wer erinnert sich nicht? Und Svenja, bekannt als Mrst Poetry aus Mainz, sprach über Stadtrechte.

In der zweiten Halbgruppe öffnete Sanja aus Fulda ihr Tagebuch. Veronika aus Schwäbisch-Gmünd hatte vor dem Abend noch eine ganz eigene Zeitreise erlebt: In der Bartholomäuskirche stieß sie auf das Grab von Pfarrer Dr. Laufenberg und erfuhr von seinem Mut am Ende des Zweiten Weltkrieges. Dieser Moment floss in ihren Text. Man konnte es spüren. Fatih aus Laubenheim erzählte von Familie. Und Paul beschloss die Runde mit einem Text über seine Kindheit – das Publikum gab ihm das Stichwort: Junge.

Aus den zwei Halbgruppen kamen jeweils zwei weiter: Svea und Svenja aus der ersten, Veronika und Fatih aus der zweiten. 

Svea, Hannah, Uwe und Svenja
Sanja, Veronika, Fatih und Paul

Zwischen den Runden: Fabio und Ylva

 Zwischen den Blöcken hatten wir eine ganz besondere Überraschung eingebaut. Fabio Gamberetti, der uns schon bei der 5. Fête de la musique 2025 mit seiner Kunst des Rappens verblüfft hatte, war eingeladen, den Abend musikalisch zu begleiten. Er kam nicht allein – seine Schülerin Ylva begleitete ihn, und ihre Stimme hat den Raum von der ersten Note an in ihren Bann gezogen.  Wir werden beide bei der 6. Fête de la musique in Oppenheim am 21. Juni wiedersehen und freuen uns schon sehr darüber.

Fabio und Ylva

Die zweite Runde - freie Themen und freie Gefühle

In der zweiten Runde trafen die vier Besten aus beiden Runden aufeinander – und diesmal waren die Themen frei. Die Stichworte, die das Publikum vergab, sagten viel aus: Sonne. Liebe. Kabelbinder. Wut.

Svea ließ die Sonne aufgehen. Svenja sprach über Liebe. Aber nicht die leichte, sondern die ehrliche. Über das Gesehen-werden-wollen, über Zweifel am eigenen Körper, über das Gefühl, nicht genug zu sein. Und über die Hoffnung, die trotzdem bleibt. Ihr Text hatte Zeilen, die einem nicht mehr loslassen – dass Liebe bedeutet, nicht nur die Hülle zu sehen, sondern auch das dahinter. Und dass die Liebe einen irgendwann wieder findet. Eine Zeile hat mich besonders getroffen: „Immer wenn ich lache, weint auch ein Teil in mir." Stark, verletzlich und präzise zugleich. 

Veronika bewies, dass selbst ein Kabelbinder eine ganze Geschichte in sich trägt – wenn man nur die richtigen Worte findet. Und Fatih brachte Wut auf die Bühne – nicht laut, sondern präzise.

Das Ergebnis war denkbar knapp. Am Ende gewann Svenja hauchdünn vor Svea. Alle Vortragenden bekamen ein kleines Büchlein mit nach Hause, um ihre nächsten Texte darin festzuhalten. Svenja als Gewinnerin erhielt eine kleine Holzdose, auf der eine Kröte thront – das Wahrzeichen von Oppenheim.  Passender geht es kaum. 

Was bleibt

Ich mag solche Abende sehr. Es ist diese besondere Art, wie ein wirklich gelungener Slam-Text einen berührt. Jedes Wort sitzt. Die Rhythmen, die Wiederholungen, die kleinen Wendungen greifen ineinander, nichts ist zufällig. Und trotzdem wirkt alles leicht. Lebendig. Als wäre es gerade eben spontan entstanden. Das ist die Kunst dahinter: dass man die Arbeit nicht sieht, nur das Ergebnis spürt.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Alle lasen vom Blatt oder aus einem Büchlein. Kein Handy, kein Bildschirm. Nur Papier und Stimme. Als hätte die Sprache damit ihren richtigen Platz gefunden. Vielleicht war es kein Zufall, dass alle Vortragenden am Ende ein neues Büchlein mit nach Hause nahmen – für die nächsten Texte, die noch auf ihre Worte warten.

Genau das war dieser Abend. 

Svenja, die glückliche Gewinnerin

Von Herzen: Danke!

Ein Abend wie dieser entsteht nicht von allein. Ein herzliches Dankeschön an Kjell Raaz von Fullhouse Eventtechnik und sein Team für Bühne, Licht und den unermüdlichen Einsatz – und an die Stadt Oppenheim für den Mut, solche Formate möglich zu machen.

Ein besonderer Dank gilt auch den fleißigen Helferinnen, ganz besonders Gabriela Richter, die dafür gesorgt haben, dass die Besucher gut versorgt waren – mit Essen und Trinken, damit der Abend auch abseits der Bühne ein Genuss war.

Wir freuen uns auf den Poetry Slam 2027 in Oppenheim

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