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Körperschicksale – eine Ausstellung, die sich bewegt. Wirklich.
Er steht vor einer Skulptur und sagt: „Schau mal genau hin. Und dann geh zwei Schritte nach links." Ich tue es – und traue meinen Augen kaum. Ein Spiel aus Tiefen und Wölbungen lässt die Form sich verändern. Die Augen der Figur scheinen mich zu fixieren und mir zu folgen. Dabei steht die Skulptur ganz still. Achim Ribbeck lächelt. Er hat diesen Moment schon oft erlebt, und er freut sich jedes Mal neu darüber.
So war mein Nachmittag im Hof des Hofguts der Bernhardt Stiftung in Undenheim – mitten in der Einzelausstellung „Körperschicksale", die seit dem 14. Mai zu sehen ist. Achim Ribbeck, rheinhessischer Bildhauer, Maler und Grafiker, hat mich persönlich durch die Ausstellung begleitet. Wer seine Werke einmal mit ihm zusammen betrachtet, sieht sie danach mit anderen Augen.
Wenn Skulpturen in Bewegung geraten
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Ribbecks neueste Werke: farbige Konkavskulpturen, die mit der menschlichen Wahrnehmung spielen. Das klingt abstrakt, ist es aber überhaupt nicht – sobald man davor steht. Die Augen der Figuren folgen einem, egal ob man rechts, direkt davor oder links steht. Und nicht nur das: Auch der Körper der Figuren scheint sich zu bewegen, sich dem Betrachter zuzuwenden. Ein stilles Gespräch zwischen dem Werk und dem Menschen davor.
Daneben gibt es Skulpturen in Stein, Holz und Bronze, von gerade mal drei Zentimetern bis hin zu sechs Metern Höhe. Ribbeck arbeitet mit einer erstaunlichen Vielfalt an Holzarten – von Linden- über Buchsbaum- bis hin zu Elsbeeren- und Birnenholz. Und Gemälde und Grafiken, die mal das Menschenbild in den Mittelpunkt stellen, mal mit geometrischen Proportionen arbeiten, mal einfach nur mit Farbe – mit leuchtenden Farben und feinen Pinselstrichen, die trotzdem immer etwas erzählen.
Im Kornspeicher erwartet die Besucher noch eine besondere Begegnung: die große Skulptur „Touchée" aus Mammutbaumholz – noch nicht vollendet. Wer Glück hat, kann Achim Ribbeck dabei über die Schulter schauen, wie ein Werk langsam seine Form findet.
Alles dreht sich um den menschlichen Körper.
Was Ribbecks Werk zusammenhält, ist eine Frage, die ihn sein ganzes Künstlerleben begleitet: Was kann der Körper? Was macht er mit uns? Was machen wir mit ihm? Das ist keine rein philosophische Frage – Ribbeck war früher Zehnkämpfer, und Bewegungsmuster sind bis heute sein Thema. Seine Holzskulptur der Ruderer aus Lindenholz etwa lässt den Betrachter die Dynamik zwischen den beiden Figuren förmlich mitfühlen – sie stand übrigens 2008 bei der Landesgartenschau am Rheinufer in Bingen. Die Ausstellung trägt den Titel „Körperschicksale" – und dieser Titel sitzt. Man spürt in fast jedem Werk diese Auseinandersetzung. Mal leise, mal sehr direkt. Ich habe selten eine Ausstellung besucht, bei der ich so viel erklärt bekommen habe – und gleichzeitig so viel selbst entdeckt. Das ist die besondere Qualität dieser Führung: Ribbeck erklärt nicht, was man sehen soll. Er zeigt, wie man schauen kann.
Wann und wo
Die Ausstellung „Körperschicksale" ist noch bis zum 14. Juni geöffnet – immer an den Wochenenden sowie am Pfingstmontag. Samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags und am Pfingstmontag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Übrigens: Die Ausstellung lässt sich wunderbar auch mit Kindern besuchen. Gerade die Konkavskulpturen laden zum Herumgehen und Entdecken ein – und Kinder schauen noch einmal ganz anders hin als Erwachsene. Was sie darin entdecken, überrascht manchmal selbst die Erwachsenen.
Wer mehr als einen Spaziergang durch die Ausstellung möchte, hat Glück: Achim Ribbeck selbst bietet vier persönliche Führungen an, jede mit einem eigenen Schwerpunkt.
17. Mai – „Erleben und Bewegung"
25. Mai – „Licht und Farbe"
31. Mai – „Körper und Raum"
7. Juni – „Konkavkunst"
Alle Führungen beginnen um 16 Uhr. Geht hin – und wenn ihr könnt, nehmt an einer Führung teil. Ich verspreche euch: Ihr werdet diese Ausstellung nicht so schnell vergessen.
Musik im Hofgut
Die Ausstellung wird von einem feinen Rahmenprogramm begleitet. Am 31. Mai spielt das Amonta Streichquartett eine Klassik-Matinée ab 11:30 Uhr. Am 13. Juni bringt Mannella Live mit einem Sommerabend voller Seele Musik in den Hof. Und zum Abschluss am 14. Juni sorgt das White Rabbit Duo ab 11:30 Uhr mit französischem Flair für einen stimmungsvollen Ausklang.
Alle Details zu den musikalischen Events findet ihr in diesem Beitrag.
Was uns im Hof der Bernhardt Stiftung noch erwartet - der Sommer kann kommen!
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