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Holocaust-Gedenken oder vergessene Nullfünfer: Geschichtsverein Nierstein gedenkt jüdischer Mitglieder von Mainz 05

Vergessene-Nullfunfer

Mainz und jüdisches Leben – das gehört seit Jahrhunderten zusammen. Als eine der SchUM-Städte war Mainz im Mittelalter eines der wichtigsten Zentren jüdischer Kultur und Gelehrsamkeit in ganz Europa. Diese Geschichte ist tief in der Stadt verwurzelt. Und doch wurde sie 1933 mit brutaler Gewalt unterbrochen – auch im Kleinen, auch im Alltäglichen, auch im Fußball.

Dass ausgerechnet Mainz 05 – gegründet von Eugen Salomon – so viele jüdische Mitglieder hatte, dass der Verein im Volksmund „Judenverein" hieß, passt eigentlich ins Bild einer Stadt mit dieser Geschichte. Was danach kam, nicht.

Genau diesen Menschen hat der Geschichtsverein Nierstein seinen diesjährigen Holocaust-Gedenktag gewidmet – und damit eine Gruppe in den Mittelpunkt gerückt, die viel zu oft vergessen wird: jüdische Sportler.

Nils Friedrich hat sich auf Spurensuche begeben und die Biografien von zwölf bislang unbekannten Vereinsmitgliedern erforscht. Drei davon stellte er beim Abend vor – kenntnisreich, detailliert und sehr berührend.

Da war zum Beispiel Siegfried Rosenbusch: Faßwein-Küfer, Fastnachter, Fußballer – ein Mann, der tief verwurzelt war im Mainzer Leben und viel zum Vereinsleben beitrug. Er wurde nach Piaski deportiert und ermordet. Genauso wie Willi Hirsch, gelernter Schneider und ebenfalls Fußballspieler.

Und dann ist da noch Emile Salomon, der Bruder des Vereinsgründers – ein erfolgreicher Leichtathlet, der 1920 nach Luxemburg zog, von dort vor den Nazis in die USA flüchten konnte, nach 1945 zurückkehrte, ein Bekleidungsgeschäft aufbaute und 1975 starb. Einer der wenigen mit einem Lebensweg, der nicht im Tod endete.

Stadtbürgermeister Jochen Schmitt gedachte bei der Veranstaltung, die am 27. Januar in Nierstein stattfand, aller Opfer der Nazi-Willkür. Und Vereinsvorsitzender Hans-Peter Hexemer brachte etwas auf den Punkt, das ich persönlich sehr wichtig finde: Er warnte vor einer KI-gesteuerten Kommerzialisierung des Gedenkens. Sein Appell: „Wir brauchen weiter faktenbasiertes und empathisches Gedenken, eines mit Herz und Verstand."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Hans-Peter Hexemer, Jochen Schmitt, Nils Friedrich und Jörg Adrian, der die Veranstaltung für den Geschichtsverein Nierstein organisiert hat (v.r.). Foto: Heiner Bräckelmann
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