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Dry January am Roten Hang: Meine erste alkoholfreie Weinprobe – und was ich dabei gelernt habe
Am Donnerstag saß ich im Weingut Fischborn-Bergeshof in Dexheim und dachte: „Das wird spannend." Vor mir auf dem Tisch? Eine Probenliste mit 16 Positionen – vier Secco, sieben Weißweine, zwei Rotweine, zwei Säfte (darunter ein Verjus) und ein Proxy. Alle eint: kein Tropfen Alkohol. Willkommen bei meiner ersten alkoholfreien Weinprobe der Winzer vom Roten Hang.
Wenn der Wein fehlt - oder doch nicht?
Ich gebe zu: Ich war neugierig und gespannt. Schon lange suche ich nach einer Alternative zum Wein für bestimmte Situationen – etwas, das mehr ist als die für meinen Geschmack oft zu süßen Säfte, aber eben ohne Alkohol. Könnte das die Lösung sein? Dann kam der erste Schluck – und ich war überrascht. Die Getränke waren so unterschiedlich, wie die Gäste um mich herum. Und genau das wurde zum Thema des Abends.
Denn während ich da saß und probierte, fiel mir etwas auf: Die Menschen, die gerne Wein trinken, suchten in den alkoholfreien Varianten genau das – den Weingeschmack, die Komplexität, die Struktur. Sie wollten wiedererkennen, was sie lieben. Die anderen Gäste, die keinen Alkohol trinken, mochten dagegen oft ganz andere Weine. Für sie – und für mich – geht es nicht um Wiedererkennung, sondern um eigenständigen Geschmack. Wir suchen nicht den "Wein ohne Alkohol", sondern ein Getränk, das für sich selbst steht.
Was ich nicht wusste: die Geschichte hinter dem Glas
Zwischen den Proben kam ich mit Stephanie Steichele-Guntrum ins Gespräch. Und da erfuhr ich etwas, das mich wirklich überraschte: Das Weingut Guntrum produziert seit über 50 Jahren alkoholfreie Weine – für den Export nach Saudi-Arabien. Ein halbes Jahrhundert! Das hätte ich nicht gedacht.
„Vor Jahren haben mir die alkoholfreien Weine wenig geschmeckt", erzählte sie mir ehrlich. Aber über die Jahrzehnte haben sich Geschmack und Anforderungen massiv verändert. Die Kunden dort wollen heute genauso komplexe, charakterstarke Getränke wie wir hier. Und die Winzer haben gelernt, genau das zu liefern.
Das Gespräch hat mir die Augen geöffnet: Die alkoholfreien Weine, die wir an diesem Abend probiert haben, sind das Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklung. Sie waren komplex, charakterstark und – ja – lecker. Nicht „für alkoholfreien Wein lecker", sondern einfach lecker.
Theorie trifft Praxis
Zwischen den einzelnen Proben gab es kleine Exkurse in die Theorie: Wie entstehen eigentlich alkoholfreie Weine? Welche Verfahren gibt es? Was macht den Unterschied zwischen den Produkten? Es war faszinierend zu hören, wie viel handwerkliche Kunst und Erfahrung in diesen Flaschen steckt.
Und dabei wurde eines klar: Alkoholfreie Weine und alkoholhaltige Weine sind zwei völlig unterschiedliche Getränke. Das eine ist nicht „weniger" als das andere – es ist einfach anders. Wer das akzeptiert und alkoholfreie Weine nicht als schlechte Kopie, sondern als eigenständige Kategorie betrachtet, wird belohnt.
Mehr als nur ein Trend
Was mich an diesem Abend am meisten beeindruckt hat? Die Erkenntnis, dass diese Getränke nicht nur für den „Dry January" oder für Autofahrer gedacht sind. Sie sind bestens geeignet für ein feines Essen mit der Familie oder Freunden, für gemütliche Runden mit Kollegen nach der Arbeit – für all die Momente, in denen man voll präsent sein möchte und dabei trotzdem etwas Besonderes im Glas haben will. Mehr als Saft, aber eben ohne Alkohol.
Die Winzer vom Roten Hang haben mit dieser Veranstaltung ein Zeichen gesetzt: Weg vom Schwarz-Weiß-Denken, hin zu bewusstem Genuss und echter Wahlfreiheit. Und ich? Ich bin neugierig geworden. Diese ersten Erfahrungen waren so erfrischend, dass ich das Thema gerne weiterverfolgen werde.
Die nächste alkoholfreie Weinprobe kommt bestimmt – und ich werde dabei sein.
Diese Weingüter vom Roten Hang waren dabei:
- Das Weingut Philipp Wedekind mit "Zukunft Zero Secco" und mit "Zukunft Zero"
- Das Weingut Georg Gustav Huff mit "OH!NE Limit Secco", mit "OH!NE Limit Wein"
- Das Weingut Louis Guntrum mit "FRITZI SECCO", mit "PAULA" und mit "KM482 Rot"
- Das Weingut Gröhl mit einem Secco weiß und mit einem Sauvignon Blanc
- Das Weingut Seebrich mit einem Sauvignon Blanc
- Das Weingut Fischborn-Bergeshof mit einem Riesling und einem Merlot Rosé
- Das Weingut St. Anthony mit einem Pinot Gris und einem Sparkling INFINITEA "The Duches of Rooibos"
- Das Weingut Gehring mit ihrem Verjus
- Das Weingut Fritz Ekkehard Huff mit einem Rosé Traubensaft
Übrigens: Einige Weingüter geben ihren alkoholfreien Weinen und Seccos schon eigene, spannende Namen. Andere sind noch in der Namensfindung – ein Zeichen dafür, dass wir hier am Anfang einer spannenden Entwicklung stehen.
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