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Demokratie beginnt mit dem Gespräch
Elfriede Hexemer hat der Stadt Nierstein eine Bank mit Botschaft geschenkt
Eine Bank auf dem Niersteiner Marktplatz trägt jetzt eine aktuelle Botschaft. Gestiftet hat die Sitzgelegenheit Elfriede Hexemer an ihrem 80. Geburtstag und sie mit einer Aufforderung verknüpft: "Setzt euch zusammen und redet miteinander".
Babbelbänke kommen in Mode. In immer mehr Gemeinden in Rheinhessen stehen Sitzbänke, die ausdrücklich dazu einladen, Platz zu nehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein unkompliziertes Mittel auf der Suche nach unkomplizierten Kommunikationswegen. Solchen, die dem gesellschaftlichen Wandel folgen und beispielsweise gegen die Vereinsamung oder die Sprachlosigkeit im Alltag wirken: hinsetzen, babbeln und zuhören.
Auf dem Niersteiner Marktplatz steht nun eine Bank, die diesen Gedanken weiterführt. Gestiftet hat sie Elfriede Hexemer. Die Niersteinerin nahm ihren 80. Geburtstag zum Anlass, nicht sich selbst beschenken zu lassen, sondern etwas für die Gemeinschaft zu tun. Statt um Geschenke bat sie um Spenden für das Projekt, aus einer Babbelbank eine Demokratiebank zu kreieren.
Schon optisch macht die Bank deutlich, was sie will: Über der roten Sitzfläche verbindet die gestaltete Rückenlehne ein historisches Niersteiner Stadtmotiv mit Schwarz-Rot-Gold. Daneben steht in großen Lettern „Demokratie". Darüber formuliert die Bank ihren eigentlichen Zweck: „Zusammensetzen für Freiheit und Demokratie".
Denn miteinander zu reden, Argumente auszutauschen, zuzuhören und Widersprüche auszuhalten, gehört zu den Grundübungen einer demokratischen Gesellschaft. Was in Parlamenten seinen institutionellen Ort hat, beginnt für Hexemer viel früher.
„Die Demokratie lebt nicht nur in Parlamenten und in Wahlkabinen, sie lebt auch hier auf dem Marktplatz: Wenn Nachbarn sich hinsetzen, zuhören und miteinander reden. Und wenn sie nicht immer einer Meinung sind, das macht gar nichts", sagte Hexemer bei der Einweihung und Übergabe der Bank.
Die Botschaft passt zu einer Stadt, die die Stärkung der Demokratie gerne in den Blick nimmt. Und sie passt zur Stifterin. „Nierstein ist mir seit über 50 Jahren meine Heimat", sagt Hexemer. Ihr Herz schlägt im sozialdemokratischen Rhythmus, und kommunalpolitisches Engagement gehörte für sie über Jahre dazu. Zehn Jahre saß sie im Rat, lange arbeitete sie im Sozialausschuss mit. Im Jahr 1994 zog sie als erste Frau in den Bauausschuss ein. Gesellschaftliche und politische Teilhabe waren für sie damit schon lange vor der Idee zur Bank gelebte Praxis.
Stadtbürgermeister Jochen Schmitt (FWG) griff bei der Einweihung den Gedanken ebenfalls auf. „Es ist eine tolle Sache. Es ist ein Hinweis auf den Weg in die Demokratie, der in der Gesellschaft momentan geschwächt wird. Deshalb müssen wir uns anstrengen, dass wir die Demokratie wieder stützen. Umso wichtiger ist, dass mit der Bank auf dem Marktplatz eine Demonstration der Demokratie steht."
Auch das Datum verbindet die persönliche Geschichte der Stifterin mit der Geschichte der Demokratie. Hexemer wurde am 14. August geboren. Am 14. August 1919 wurde die zuvor von der Weimarer Nationalversammlung beschlossene Verfassung verkündet. Deutschland war Republik geworden, Schwarz-Rot-Gold waren ihre Farben. Frauen besaßen erstmals das aktive und passive Wahlrecht.
Gestaltet hat die Niersteiner Bank der Schwetzinger Designer Klaus-Peter Deimann. In Schwetzingen hatte er bereits die Idee der Motivbänke entwickelt, die Geschichten und Ereignisse aus der Stadt aufgreifen.
In Nierstein erzählt die Bank nun ebenfalls eine Geschichte. Allerdings eine, die offen ist und mit jedem Gespräch weitergeschrieben wird. Hexemer hofft zudem auf Nachahmer, die weitere Demokratiebänke für ihre Stadt stiften.
Am 26. September 2025 wurde auf dem Niersteiner Marktplatz feierlich der neue Demokratie-Rundgang "Auf den Spuren von Freiheit und Demokratie in Nierstein" eröffnet. Wir berichteten.
Gregor Starosczyk-Gerlach
Eröffnung des neuen Demokratie Rundgang
BUZ: Gemeinsam für die Demokratie: Stadtbürgermeister Jochen Schmitt, Hans-Peter Hexemer, Vorsitzender des Geschichtsvereins Nierstein, und Stifterin Elfriede Hexemer an der neuen Demokratiebank auf dem Niersteiner Marktplatz.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach
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