Anzeige - Weingut Jakob Gerhardt
Schriftgröße: + –
6 Minuten Lesezeit (1213 Worte)

Aus einer alten Scheune wurde ein Zuhause: 30 Jahre Heimatverein Undenheim

30Jahre-Heimatmuseum-Undenheim

Dreißig Jahre! Der Heimat- und Kulturverein Undenheim feierte am Samstag, 19. September, in der Goldbachhalle Geburtstag: mit Gästen aus der ganzen Umgebung, einigen Gründungsmitgliedern mitten im Saal und einem Abend ganz im Zeichen der rheinhessischen Mundart.

Gleich zu Beginn bat der Vorsitzende Marcus Becker um etwas Ungewöhnliches: die Handys auf lautlos stellen, aber bitte nicht zu weit weglegen. Man werde sie später noch brauchen. Wofür, sollte sich erst im Laufe des Abends zeigen. 

Vom Dorfmuseum zum Verein

Die Geschichte des Vereins reicht weiter zurück als 30 Jahre. Am Anfang stand eine baufällige Scheune in der Sackgasse 1, die die Gemeinde gekauft hatte. Der damalige Ortsbürgermeister Reinhold Sittel hatte die Idee, daraus ein Dorfmuseum zu machen. Ehrenamtliche packten mit an, die Gemeinde investierte viel Geld, und 1993 war das Heimatmuseum fertig. Hier fand auch die Sammlung des Ortshistorikers Dr. Dieter Curschmann ein neues Zuhause.

Ein Gebäude allein macht aber noch keine lebendige Erinnerungskultur. Am 13. Mai 1996 kamen deshalb 32 Bürgerinnen und Bürger im alten Ratssaal zusammen und gründeten den Verein. Reinhold Sittel wurde erster Vorsitzender und blieb es bis 2009, danach übernahm Wilhelm Horn und seit 2019 führt Marcus Becker den Verein. Heute gehören Ausstellungen, Vorträge, Ortsführungen und Gemarkungsrundgänge ebenso dazu wie die Partnerschaften mit Blaisy-Bas in Frankreich und Dolcè in Italien. Und wer möchte, kann sich im Heimatmuseum sogar das Jawort geben. 

Glückwünsche aus der Nachbarschaft

Den Anfang der Grußworte machte Landrat Thomas Barth. „Ich beglückwünsche den Verein zu drei Jahrzehnten Vereinsgeschichte und vor allem zu drei Jahrzehnten engagiertem Ehrenamt", sagte er. Aus einer baufälligen Scheune sei eine lebendige Gemeinschaft geworden, mit viel Zeit, Arbeitskraft und Ausdauer. Besonders hängen geblieben ist mir sein Satz: „Ein Heimatmuseum ist kein Sammelsurium von alten Dingen, sondern erzählt Geschichten von den Menschen, vom Alltag, von der Arbeit und vom Zusammenleben."

Ortsbürgermeister Thomas Zimmerer war stolz, dass einige Gründungsmitglieder an diesem Abend dabei waren. „Ja, wir brauchen diesen Raum", sagte er. Eigentlich hätte er dem Verein gerne eine Jubiläumseiche geschenkt, doch das gibt das Budget der Gemeinde leider nicht her. Stattdessen gab es eine Urkunde und einen Satz, der gut zu diesem Verein passt: „Nur wer weiß, woher er kommt, kann die Zukunft gestalten."

Aus Friesenheim, gleich auf der anderen Seite der Selz, kam Roland Höhr, Vorsitzender des Vereins Wir für Friesenheim. Beide Gemeinden unterstützen sich gerne gegenseitig, betonte er.

Hans-Peter Hexemer, Vorsitzender des Geschichtsvereins Nierstein, begann mit einem Augenzwinkern. Sein Verein ist 29 Jahre jung, und „dass der Undenheimer Verein ein Jahr älter ist, sieht man ihm nicht an". Dann wurde er ernst. Er erinnerte an Ludwig Schwamb, Ehrenbürger von Undenheim und Widerstandskämpfer, der 1945 in Berlin von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. „Nie wieder darf geschehen, was damals geschah." Als Geschenk brachte er einen Gutschein für das Buch "So viele bittere Jahre" von Jörg Adrian mit, das im März 2027 erscheint. Es zeichnet die Lebenswege der Menschen nach, an die 57 Stolpersteine in Nierstein und Schwabsburg erinnern. 
Das Buch ist jetzt schon vorbestellbar.

Mit leeren Händen kam übrigens keiner der Gratulanten: Zu den Glückwünschen gab es auch eine finanzielle Unterstützung für die Vereinsarbeit.

Daniel Kölsch, Ortsbürgermeister von Friesenheim, Roland Höhr, Landrat Thomas Barth, Hans-Peter Hexemer, Markus Becker und Thomas Zimmerer

Die Mitglieder der ersten Stunde

Ein Verein lebt von den Menschen, die ihm treu bleiben. Deshalb ehrte Marcus Becker die Mitglieder der ersten Stunde mit der Goldenen Ehrennadel des Vereins und einer Ehrenurkunde: Otto Peter Schwamb, Günter Vatter, Klemens Mörchen, Rainer Schaffstein, Christa Escher, Roland Escher, Ursula Frank, Margit Geist, Wilhelm Horn, Gertrud Hothmer, Wilhelm Kalbfuß, Holger Kröhler, Wolfgang Kröhler, Rüdiger Möller, Heidi Horn und Dirk Röhrs. 

Mundart, die über den Ozean reicht

Dann gehörte die Bühne der Mundart, und es wurde richtig lustig. Michael Werner, Publizist, Sprachwissenschaftler und Gründer von Hiwwe wie Driwwe, widmet sich seit Jahrzehnten der Sprache und Kultur der Deutsch-Pennsylvanier. An diesem Abend zeigte er seine musikalische Seite, und jetzt wurde auch klar, wozu die Handys bereitliegen sollten: Per Code kamen die Liedtexte aufs Display, und der ganze Saal sang mit, auf Pennsylvania Dutch, einer pfälzischen Mundart, die auf der anderen Seite des Atlantiks bis heute lebendig ist.

Uwe Jung aus Wörrstadt-Rommersheim ist Kultur- und Weinbotschafter und Mitbegründer der Autorengruppe Rheinhessische Landschreiber. Seine Geschichten und Anekdoten findet man etwa im Babbelbuch und in verschiedenen Heimatjahrbüchern. Außerdem gehört er zu den Initiatoren des ersten Rheinhessischen Mundartfestivals, das im Frühjahr fünf Wochen lang mit Lesungen, Konzerten und Mundartführungen durch die Region zog. In Undenheim brachte er unter anderem seinen Text „Du bist der Nächste" mit.

Und dann Silke Fruth: gebürtige Undenheimerin, Vereinsmitglied, ebenfalls Kultur- und Weinbotschafterin und in der Fastnacht als „Lucrezia von Weinolsem" bekannt. Mit dabei war unter anderem „Die verrückte Sache mit dem Dialekt". Dass sie von der Fastnacht kommt, hat man gehört. Ihr Vortrag hatte so manchen Fastnachtsmoment, und kein Auge blieb trocken.

Uwe Jung, Silke Fruth und Michael Werner

Zwischendurch rätselten alle Tische beim Mundart-Quiz mit. In der Pause wurden die Bögen eingesammelt, aus den richtigen Antworten wurden drei gezogen. Die Gewinner erhielten Geschenke, gestaltet von der Künstlerin Beate Leibinger.  

Die glücklichen Gewinner des Mundart-Quiz

Von Herzen: Danke!

Ein Abend wie dieser entsteht nicht von allein. Marcus Becker dankte allen Akteuren für ihre Beiträge und den befreundeten Vereinen für ihre Grußworte und Geschenke. Stefan Schneider und Heiko Fruth kümmerten sich um Aufbau und Technik, der Karneval Club Köngernheim stellte die Headsets zur Verfügung. Den Saal gestalteten Silke Fruth und Beate Leibinger, unterstützt mit Dekoration von der Tanzgruppe „Reloaded" und dem Weingut Thilo Brand. 

Ein großes Dankeschön ging an das Veranstaltungsteam um Christa und Rüdiger Möller, an den Vorstand, die Mitglieder und alle Helferinnen und Helfer befreundeter Vereine.

Doch auch Marcus Becker selbst bekam ein Dankeschön: Beate Leibinger, ehemalige zweite Vorsitzende, bedankte sich bei ihm für sein unermüdliches Engagement. 

Beate Leibinger bedankt sich bei Marcus Becker

Die Mundart bleibt auf dem Programm

„Unsere Mundart darf nicht sterben, denn sie verbindet uns weit über alle Ortsgrenzen hinweg", sagte Marcus Becker zum Abschied. Der Verein tut einiges dafür. Am Montag, 23. November, hält Michael Werner im Heimatmuseum Undenheim einen Vortrag über Pennsylvania und den Dialekt. Und am Samstag, 11. September 2027, lädt der Heimat- und Kulturverein zu einem Mundartabend in die Goldbachhalle ein. Den Termin könnt ihr euch schon jetzt in den Kalender eintragen. 

Auch von mir: Herzlichen Glückwunsch!

Auch ich gratuliere dem Heimat- und Kulturverein ganz herzlich und danke für die Einladung. Ich bin immer sehr gerne im Heimatmuseum und versuche, so oft wie möglich bei den Veranstaltungen dabei zu sein. Wenn ihr in Undenheim seid, fahrt hin und besucht diesen besonderen Ort in der Sackgasse 1.

Dreißig Jahre? Sieht man diesem Verein wirklich nicht an. 

...

Das Heimatmuseum in Undenheim: Lebendige Kulturstätte und Standesamt

Bei einem Besuch von Undenheim sollten Sie Zeit einplanen für einen kleinen Abstecher zum Heimatmuseum. In dem Gebäude befinden sich zwei Gewölbekuhställe. Sie sind die einzigen in Rheinhessen, die sich nicht in Privatbesitz befinden, sondern der öff
×
Informiert bleiben

Wenn Sie den Blog abonnieren, senden wir Ihnen eine E-Mail, sobald es neue Updates gibt, damit Sie diese nicht verpassen.

Was wird aus dem kleinen Brückchen in der Pfarrer-...
Eine Bilanz mit vielen Baustellen

Ähnliche Beiträge

Comment for this post has been locked by admin.
 

Kommentare

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://rhein-selz-geht-aus.de/

Anzeige - Stadt Nierstein

Sorry, this website uses features that your browser doesn't support. Upgrade to a newer version of Firefox, Chrome, Safari, or Edge and you'll be all set.